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      Kino-History - Die Bayreuther Kino-Geschichte


von Oliver Sebert

Vor rund 100 Jahren begann auch in Bayreuth die Erfolgsgeschichte des Kinos. Doch es war eine langer Weg vom Wanderkino bis zum Multiplex-Filmpalast in der Bayreuther Innenstadt. bayreuth-guide.de hat für Euch ein wenig in der Bayreuther Kino-Geschichte geblättert...

1. Die Anfangszeit des Kinos
2. Kino in Bayreuth nach dem 2. Weltkrieg
3. Cineplaza: Ein neues Kinozeitalter in Bayreuth
 

1. Die Anfangszeit des Kinos
1897 gab es im Gartensalon des Bayreuther Cafe Sammet erstmals eine öffentliche Filmvorführung: Insgesamt 2mal wurden nur wenige Minuten dauernde Filmstreifen gezeigt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts machen auch in Bayreuth sog. Wanderkinos Station. Die Filmvorführungen des "fahrenden Volks", die "Bio-Kinematographen" finden meist am Mainplatz (heutige Mainüberdachung) statt.

Am Sonntag, 18. Oktober 1908 wird in der Wölfelstraße das erste "feste" Kino eröffnet: Das von Joseph Mengele und Christof Frank erbaute Central Theater, ist das - laut damaliger Werbung - "erste, größte und vornehmste Theater lebender Photographien" in Bayreuth. Insgesamt 7 Kurzfilme der unterschiedlichsten Genres stehenen in der Premierenzeit auf dem Programm, darunter auch ein Märchen mit "farbigen, wunderbaren Bildern", damals natürlich noch handcoloriert. Bayreuths erstes ständiges Kino bot laut Bayreuther Tagblatt „die vollkommensten technischen Apparate“: „In vollendeter Eleganz werden heutzutage alle wichtigen Ereignisse flimmerfrei und haarscharf wiedergegeben.“ Das Central Theater erfreut sich großer Beliebtheit, die Besuchszahlen sind sehr gut und das Programm wird kontinuierlich ausgebaut. 1964 wird das Central Theater abgerissen, am damaligen Standort befindet sich heute der große Wohn- und Geschäftsblock am Josephsplatz.

Im November 1910 bekommt Bayreuth mit dem Union-Theater (Kanalstraße 15) sein zweites Filmtheater, das 1963 abgebrochen wird. Im Premierenprogramm: Aufnahmen vom Rodelsport am Bindlacher Berg. Ab 1911 veröffentlichen beide Kinos gemeinsame Zeitungsanzeigen mit den jeweiligen Wochenprogrammen.

Im Jahr 1917 kommen auf knapp 35000 Einwohner 3 Kinos (darunter auch das Union-Lichtspiel-Theater in der Carlstraße) mit rund 700 Plätzen.

In den 30er Jahren eröffnen in Bayreuth die Blücher-Lichtspiele in der Richard-Wagner-Straße sowie das Reichshof-Kino am Marktplatz (Betreiber: Karl Haase), das am 3. August 1939 mit Adolf Hitler prominenten Besuch bekommt. Auch in der Albert-Preu-Straße eröffnet ein Kino, das Apollo, das aber nur wenige Monate bestand hatte.



Vorder- und Rückseite des Reichshof-Kinos am Marktplatz (September 2005)
Foto: bayreuth-guide.de
 

2. Kino in Bayreuth nach dem 2. Weltkrieg:
Kinoinflation und Kinosterben
Als erstes Kino in Bayreuth nach dem 2. Weltkrieg nahmen 1945 die Bayreuther Lichtspiele BaLi unter dem neuen Betreiber Richard Borns ihren Betrieb in den Räumen der ehemaligen Blücher-Lichtspiele auf.


In der Richard-Wagner-Straße, wo sich heute K&L Ruppert befindet, stand einst das BaLi (September 2005)
Foto: bayreuth-guide.de

Nach dem 2. Weltkrieg ist das Reichshof-Theater eines der ersten Häuser am Marktplatz, das wieder aufgebaut wurde. Die Wiedereröffnung des Lichtspielhauses erfolgte am 9. Juli 1948.

Im Jahr 1948 wird in die vom Kriegsschäden gezeichnete Ludwig-Siebert-Halle eine von den amerikanischen Besatzungsmächten zur Verfügung gestellten Flughalle aus Holz des alten Bayreuther Flugplatzes eingebaut und somit der Weg für eine Nutzung der Ruine als Stadthalle freigemacht. Unter den Bewerbern für die Konzession der Stadthalle sind auch die erst nach Kriegsende nach Bayreuth gekommenen Max und Siegfried Thomas - damit beginnt die Erfolgsgeschichte der Familie Thomas als Kinobetreiber in der Festspielstadt. Am 17. Februar 1950 eröffnen die Stadthallen-Lichtspiele mit dem Film "Figaros Hochzeit" ihre Pforten, vor und nach dem Kino ist das Stadthallencafé "Zum Weinheber" beliebter Treffpunkt für Filmfreunde.


Die Stadthalle, Filmtheater in den 50er Jahren (September 2005)
Foto: bayreuth-guide.de

Ab 1949 werden auch wieder im Central Theater in der Wölfelstraße Filme vorgeführt, neuer Betreiber dieses Kinos ist Richard Borns, der kurz darauf auch die Kammerlichtspiele in der Schulstraße eröffnet.

Mit rund 3000 Plätzen ist Bayreuth damals eine der "Kinostädte" Deutschlands.

In den Folgejahren kommt es zu einer wahren Kino-Inflation: Die Zahl der Kinos steigt bis zum Jahr 1960 auf insgesamt neun, u.a. das Altstadtkino mit dem Spezialgebiet Heimatfilme, das Zentralkino am Wittelsbacher Ring (auch dieses wird von Richard Borns betrieben) zeigt Märchenfilme und das BaLi wurde wegen der vielen Western im Programm auch "Revolverkino" genannt.

1956 wird das Central Theater geschlossen, im selben Jahr eröffnet Borns auf dem Gelände des ehemaligen Jägerhauses an der Bahnhofstraße den 900 Sitzplätze umfassenden Filmpalast - doch dieser bleibt nur ein kurzes Intermezzo, bereits zwei Jahre später erfolgt die Schließung. Borns verkauft seine Kinos, die Kammerlichtspiele werden unter dem neuen Besitzer umgebaut.


Hier an der Bahnhofstraße war in den 50er Jahren der Filmpalast anzutreffen (September 2005)
Foto: bayreuth-guide.de

Es ist der 22. Mai 1961, als in der Stadthalle letztmals ein Film gezeigt wird: Die Stadthallen-Lichtspiele schließen ihre Pforten, die Baracke wird abgerissen und die Stadthalle zu einer modernen Kulturhalle umgebaut. Die Familie Thomas bleibt in Bayreuth und übernimmt das Reichshof und das in den 50er Jahren eröffnete Rex Movie in der Brandenburger Straße.

In den 60er Jahren beginnt das Kinosterben, auch in Bayreuth: Nach und nach verschwinden die Kinos von der Bildfläche,

1971 kauft die Familie Thomas die Kammerlichtspielhäuser in der Schulstraße, die 1976 in das Kino-Center umgebaut werden.

Ein paar Zahlen, Daten und Fakten:
Kino-Center: 4 Kinos, von 56 bis 246 Sitzplätzen, insgesamt 469 Plätze
Reichshof: 1 Kino, 496 Plätze
Rex Movie: 1 Kino, 212 Plätze, anspruchsvolles Programmkino.


2 Eintrittskarten aus dem Kino-Center und dem Reichshof (Anfang der 90er Jahre)
Foto: Sven Lutz (www.swutz.de)

Es beginnt die Expansion der Thomas Filmtheater über die Grenzen Bayreuths hinaus: 1974 erwirbt man das Burgtheater Kulmbach (heute Kino-Center), 1982 das Kino-Center in Selb.
 

3. Cineplaza: Ein neues Kinozeitalter in Bayreuth
Mitte der 90er Jahre geht in der deutschen Kinolandschaft der Trend hin zum Multiplexkino: Große Kinokomplexe mit mehreren Sälen und Gastronomie. Auch in Bayreuth entsteht ein solches Kino: Das Cineplaza an der Hindenburgstraße wird im März 1997 eröffnet. 8 Kinosäle mit insgesamt 1209 Sitzplätzen stehen den Kinobesuchern zur Verfügung, dazu 2 Verkaufstheken, das Restaurant "Roxy" und das "Café de Brazil", ausreichend Parkplätze sind im angrenzenden Parkhaus Rotmaincenter vorhanden.


Das Cineplex an der Hindenburgstraße (September 2005)
Foto: bayreuth-guide.de

Mit der Eröffnung des Cineplazas fällt im "alten" Kino-Center in der Schulstraße der letzte Vorhang. Die kurzzeitige Nutzung des Gebäudes erfolgt u.a. als Theater und Musikgeschäft. Zwar wird in den folgenden Jahren angedacht, dort ein "Arthouse-Kino" mit anspruchsvollen Filmen zu etablieren, über die Planungsphase kommt dieses Vorhaben jedoch nicht hinaus.

Das Reichshof am Marktplatz bleibt vorläufig noch bestehen, doch 1999 kommt auch für dieses Traditionskino das endgültige "Aus", das Gebäude steht seitdem leer.

Ende 2000 läuft schließlich auch der Mietvertrag für das Rex Movie in St. Georgen aus, man kann sich mit den Eigentümern nicht einigen und schließt aus diesem Grund das Programmkino.

Außerhalb Bayreuths geht die Expansion der Thomas Filmtheater weiter: Das Cineplaza in Bayreuths Partnerstadt Rudolstadt sowie das Capitol-Kino in Saalfeld werden eröffnet.

Seit 2002 ist das Cineplaza Mitglied der Cineplex-Gruppe, einem Zusammenschluss inhabergeführter Kinos.

Im September 2005 wird der Name Cineplaza Geschichte: Das Multiplexkino fungiert künftig unter dem Namen Cineplex Bayreuth.

Für alle Technikfreaks noch ein paar Fakten zum Cineplex (Quelle: Cineplex Bayreuth):
Genuss für Auge und Ohr: In Studioqualität mit bis zu 84 qm Großleinwand werden die Bilder mit lichtstarken Projektoren von 1.000 bis 2.500 Watt projiziert. Die Tontechnik im Cineplex bietet mit THX, DOLBY DIGITAL und dem DTS-Sound-System ein exquisites Hörerlebnis.
Das Cineplex soll nicht nur in der Dimension überzeugen, sondern auch in der Qualität der Filmwiedergabe. Deshalb lässt die Technik keine Wünsche offen: Modernste Projektionstechnik und Tonsysteme sorgen für maximales Kinovergnügen. Für das Kino 7 wurde das von Lucas-Film Inc. entwickelte THX-Zertifikat vergeben. Überzeugen Sie sich selbst!

Kino 1: 59 Plätze, Leinwand 7.3 x 3.1 m, Projektion 1000W, Ton  4/6 Kanal Dolby A, DTS, 6 x 240 W
Kino 2: 70 Plätze, Leinwand 7.3 x 3.1 m, Projektion 1000W, Ton  4/6 Kanal Dolby A, DTS, 6 x 240 W
Kino 3: 104 Plätze, Leinwand 8 x 3.4 m, Projektion 1600W, Ton  4/6 Kanal Dolby A-SR, DTS, 6 x 240 W
Kino 4: 118 Plätze, Leinwand 10 x 4.25 m, Projektion 1600W, Ton  4/6 Kanal Dolby A-SR, DTS, 6 x 240 W
Kino 5: 149 Plätze, Leinwand 9.9 x 4.2 m, Projektion 1600W, 4/6 Kanal Dolby A-SR, Dolby Digital, 6 x 425 W
Kino 6: 223 Plätze, Leinwand 11.75 x 5 m, Projektion 2000W, 4/6 Kanal Dolby A-SR, Dolby Digital, 12 x 300 W
Kino 7: 306 Plätze, Leinwand 14.1 x 6 m, Projektion 2500W, 4/6 Kanal Dolby A-SR, Dolby Digital, THX, 14 x 700 W
Broadway: 180 Plätze, Rollbildwand 8 x 6 m, Projektion 1600W, 4/6 Kanal Dolby A-SR, Dolby Digital, 12 x 300 W

Im Sommer 2009 werden im Bayreuther Cineplex erstmals Kinofilme in 3D gezeigt - eine neue Projektionstechnik macht´s möglich.
 
 

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(z.B. altes Kino-Center in der Schulstraße, Rex-Movie oder Reichshof
bzw. Kino-"Inflation" in Bayreuth in den 50er oder 60er Jahren)
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